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[Presse]

Für die Vierbeiner eine Eselsgeduld

Züchter- und Haltertreffen auf der Reitanlage in Forst

Forst. Gelassen schauen sich Claudi, Lisi und Poldi das Treiben um sich herum an. Mit einer Eselsgeduld. Ab und zu wackeln sie mit den Ohren. Das war's aber auch schon. "Die Drei lassen sich wirklich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen", meint Jean-Paul Dieschbourg aus Luxemburg. Dabei zeigt er auf seine drei Esel-Damen. Als ob es Poldi gehört hätte, blickt sie ihren Besitzer mit großen Augen an. Dann wendet sie sich wieder dem Treiben auf der großen Wiesenanlage zu. Etliche ihrer Artgenossen zeigen sich dort gerade von ihrer besten Seite. Schließlich geht es beim Esel- und Mulitreffen des "Interessenverbandes iür Esel- und Mulifreunde Deutschland" in Forst auch um Wettkämpfe - um Zuchtbewertung, Kutschen-Reiten oder um ein möglichst fehlerfreies Durchqueren eines Hindernisparcours. Am Wochenende war die Anlage des "Reit- und Fahrverein Forst 1932" das Dorado für die Liebhaber von Eseln, Maultieren und Mauleseln.

Unter ihnen Susanne von Münchhausen. Sie ist übrigens die Ehefrau eines Nachfahrens des "Geschichtenerzählers Münchhausen". Wir kamen hierher, um einen jungen Hengst begutachten zu lassen." Und von wegen Esel seien dumm. Eine Eselei. "Keinesfalls. Die wissen genau, was sie wollen oder eben nicht", räumt Sylvia Morgenstern, Besitzerin eines Großesels, mit dem gängigen Vorurteil auf. "Und sie sind unwahrscheinlich clever." Die viel zitierte "Eselsgeduld", gepaart mit intensiver Überzeugungsarbeit, sollten eher Eigenschaften der Tierhalter sein, Ansonsten habe bald der Esel das Sagen. Geduld forderte besonders am Samstag das teilweise regnerische Wetter von den Beteiligten ab, ob zwei- oder vierbeinig. Abgesehen davon tut Regen Eseln gar nicht gut. "Pferde haben eine schützende Talgschicht, die Feuchtigkeit abhält. Esel nicht", erklärt Petra Maurer, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft.

Außerdem dürfte sich das Wetter auf die Besucherzahl auswirken. In den vergangenen Jahren pilgerten durchschnittlich 8 000 Eselfreunde nach Forst. "Diesmal könnten es weniger werden", meint Petra Maurer und schaut zum wolkenverhangenen Himmel. Zirka 100 Esel, Maultiere (Mutter: Pferd/Vater: Esel) und Maulesel (Mutter: Esel/Vater: Pferd) nehmen an den Wettbewerben teil. Sie und ihre Besitzer haben teilweise eine weite Anreise auf sich genommen. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland und dem angrenzende Europa. In Deutschland gibt es nach Maurers Auskunft zurzeit einige Tausend Esel und Mulis.

Was macht man eigentlich mit so einem Esel? Zumal die meisten zu klein sind, um auf ihnen zu reiten. Bei Mulis oder bei einem Großesel ist das wenigstens noch möglich. "Unsere Esel begleiten uns fast überhall hin. Wir joggen mit ihnen, gehen mit ihnen spazieren. Und bei Wanderungen tragen sie das Gepäck", antwortet der Luxemburger Dieschbourg. Kurze Blicke von Claudi, Lisi und Poldi auf ihr Herrchen. Das sieht nach Bestätigung aus.

Aus den "Badischen Neuesten Nachrichten"



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